Familienroman:

Michael und Petra, ein kinderloses Paar im neunten Ehejahr, reist zwischen Weihnachten und Neujahr zu einem großen Familienfest, nämlich dem 60. Geburtstag von Petras Mutter, das auf einer alten Burg im Sauerland, mit Übernachtung, stattfindet. Der Grund für die Kinderlosigkeit ist nicht auszumachen. Der Samen von Michael ist laut vieler Untersuchungen zwar nicht berühmt, aber grundsätzlich kindererzeugungsfähig. Der Hormonstatus von Petra ist auch unauffällig. Michael weiß überdies aus einer Affäre, dass er zeugungsfähig ist, denn aus dieser wäre schon ein Kind hervorgegangen, hätte seine Affäre nicht abgetrieben, all dies weiß Petra wiederum nicht. Aus ihrem gemeinsamen Kindesprojekt ist mit den Jahren und gescheiterten Inseminationen ein gegenseitiger, erbitterter Kampf geworden, denn Michael hat sich mit der Kinderlosigkeit abgefunden (und sie ist ihm eigentlich auch ganz bequem), während der Wunsch für Petra immer zwingender und auch raumgreifender geworden ist. Sie haben nur noch Sex, wenn Petra ihre fruchtbaren Tage hat, Michael beginnt an diesen Tagen schon am frühen Abend mit dem Saufen, Erektionsprobleme, Vorwürfe u.v.m.. Michael entzieht sich dem gemeinsamen Sex immer mehr, worauf Petra eines Tages beschließt, ihm nie mehr einen zu blasen, weil sie sich dadurch wieder mehr Lust erhofft, er hingegen wichst einfach noch häufiger allein. Das alles ein bisschen im Stile eines bösen Woody Allen schildern.

Auf der Burg kommt es zu grausamen Szenen zwischen Michael und Petra (Stil jetzt schon eher Ingmar Bergman), denn Petras zwei Schwestern sind beide aktuell schwanger, zusätzlich auch die Freundin von Petras Bruder, die aufgrund von Schwangerschaftsübelkeit sogar nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen kann. Petra wird also im Dreierpack gewahr, dass es überall klappt, nur nicht bei ihr. Nach außen hin spielen sie ein funktionierendes Paar, doch bei jeder sich bietenden Gelegenheit, bei der sie alleine sind, beschimpfen sie einander wispernd. Blanker Hass überall.

Nach der Geburtsagsfeier am nächsten Morgen fahren sie gemeinsam mit Petras Eltern in Petras Heimatstadt und verbringen dort noch zwei Tage, wo ein alter, vergessen geglaubter Streit zwischen Petra und ihrer Mutter aufbricht. Der Sohn bricht am zweiten Tag zu einem Besuch seiner Eltern auf, die 50km entfernt wohnen, sich wiederum mit seiner Schwester bitter zerstritten haben, beide sehr krank und übergewichtig sind, auch depressiv. Zum Abschied sagt der Vater zu seinem Sohn, er solle sich doch aus dem Weinkeller noch eine gute Flasche Wein mitnehmen. Der Sohn geht in den Weinkeller. Nebenan liegt der Heizungskeller. Der Sohn dreht den Hauptgashahn zu, löst mit Werkzeug die Gasmanschette und verdreht das Rohr, stellt dann den Gashahn wieder auf und verabschiedet sich schnell von seinen Eltern.

Er geht davon, in der Erwartung eines Knalls.




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