Dringend noch machen: Eine Phänomenologie des Elternabends verfassen.



 
Vier Frauen im Großraum.

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Die vor mir sitzende hatte per Whatsapp Textsex mit jemandem.

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Die rechts sitzende hörte Conor Oberst und weinte.

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Die weiter hinten sitzende trug einen kurzen blauen Seidenrock und führte einen Cellokoffer und einen Blumenstrauß mit sich.

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Die am Eingang des Großraumwagen sitzende sah aus wie Kate Bush und betrachtete genüsslich einen Splatterfilm auf ihrem MacBook.

Tolle Zeiten.



 
Der österreichische Kachelofenverband.



 
In einer Nacht, in der ich wunderbar, tief, glücklich schlief, erschien mir meine vor vier Jahren verstorbene Oma. Sie war alt, aber kerngesund und fröhlich. Wir umarmten uns lange, sie bat mich in ihre Wohnung hinein. Und ich sprach und sprach, erzählte, was sich in den Jahren alles ereignet hatte. Wie glücklich ich war. Sie war einer der wenigen Menschen, zu dem man immer ehrlich sein konnte, sie wertete nie, war einfach da, und ließ einen ihre bedingungslose Liebe spüren.



 
Liegendes Auftanken aller in den vergangenen Woche verlorenen Kräfte.



 
Das erste, Gossensche Gesetz.




Pasta mit Trüffelpesto, grinsend.




"Ich hab aus Verzweiflung einen Apfel gegessen".




Auf dem Rad, mit Rückenwind, durch Kreuzberg. Dazu bestmöglicher, belgischer Jazz: Philipe Caterine, live. Bestgelaunt.



 
Man war jetzt also in diese Agentur hineingewachsen. Man hatte seinen ersten Wutanfall, die ersten Spätabendschichten erlebt, aber auch die beglückenden Momente, wenn angesichts der Klarheit, dass an Feierabend eh nicht mehr zu denken ist und alle privaten Termine eh im Arsch sind, plötzlich luzide Ideen generiert wurden. Wenn selbst die Standortleitung in ihrem Feierabend war und nur noch die Kreativabteilung geisteskrank und irr witzelnd herumsaß, Biere öffnete - und auf einmal der Knoten platzte und man die wunderbarsten und funktionierendsten Dinge ersann.

Man hatte sich aus dem Probezeitstatus in Richtung Unersetzbarkeit gewuchtet und ging mit einem austarierten Selbstverständnis in Besprechungen, erarbeitete sich peu à peu Freiheiten und hatte insgesamt den Wahnsinn einer behördenähnlichen Struktur gegen den letzlich doch befreienden Wahnsinn einer Agentur eingetauscht und war darob im Reinen mit sich selbst.




Während ich in der Arbeitskemenate saß, schrieb und schrieb und entwickelte und recherchierte, zogen Herbststürme auf.



 
Unverständnis von erwarteter Seite.
Verständnis von unerwarterer Seite.




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