O2, wir müssen miteinander reden.

Du willst Kunden. Du willst Kunden, die Geld bei dir lassen. Du willst Premiumkunden wie mich, die bei der T-Com intern Diamant-Kunden heißen, weil sie so viel telefonieren und SMS schreiben, dass auch teuerste Telefone bei ihnen nach 18 Monaten kaputtgerockt sind. Aber genau diese Kunden kriegst du nicht. Du wirst mich und meinesgleichen nie bekommen. Weil du nervst, auf allen Kanälen.

Weil du auf den Webseiten, die wir besuchen, gigantische Skyscraper schaltest. Weil du uns ungefragt beim Surfen Popups und Popunders unfassbarer Größe auf den Rechner knallst. Weil deine Ladengeschäfte einen mit ihrem krasshellen weißblau und den Luftballons draußen mehr nerven als ein einwöchiger Kindergeburtstag. Weil du zur Eröffnung neuer Filialen die Straße und unbescholtene Mitmenschen mit übelstem Eurotrance beschallst. Weil du weißblau gekleidete Werbedeppen in absonderlichsten Verkleidungen auf die Straße schickst, um die Welt mit Flyern zu verpesten.

Lass et einfach, O2.



 
mond1

Der obszöne Vollmond.

Das letzte Mal, als ich hier saß, hatte ich zuvor in einem Kino in der zweiten Reihe gesessen und mich hingegeben. Ganz.

Der Mann mit der schwierigen Frau nebenan.

Kein BMW-Händler sein. Das okay finden.

Sie sitzt neben ihm. Superfigur. Wollrock. Erkältete Stimme. Schlank, tolles Haar, schöne Hände, Strumpfhose. Aber seit sie da sitzen entschuldigt er sich. Weil er mit seinem Glied in ihre Scheide hinein will. Und es wird alles schiefgehen weil sie an ihm herummeckern wird, weil sie friert und ganz (überall!) unter die Decke will, später klemmt das Kondom falschrum, und obwohl er eigentlich der Meisterficker wäre, wird das nichts.

"Flying ist der Gelbe".

mond2

Frisco Sour.

Wizpac.

Tauss.

Amoklauf.

Gelegentlich eine reingedonnert bekommen. Ohne Verband oder Pflaster wieder aufstehen. Wackeln. Aber durchhalten. Auf niedrigem, aber beständigen Niveau ein Steher sein.

Das Schöne an der Stammbar ist, dass man den Grad des Alleinseins selbst bestimmen kann.

Wie sich die Bluse der Barkeeperin gegen ihre Titten abzeichnet. Oder umgekehrt. Der gnädige Body.

Besser dick und doof als dürr und doof.

mond3

Schönes Kneipenspiel: Jeder küsst ohne jede Hemmung seine(n) rechte(n) Nachbar(i)n.

Das Streichholz!
Das Streichholz!




Heute Hirnschweiß, nachdenken, schreiben, entwerfen, dazu vier bis fünf Drinks.



 
Ausgewrungen. Schön.



 
Heute um halb sieben haben wir dich geweckt und dir das selbstgemachte Buch, den selbstgemachten Kuschelfisch, acht Kerzen und einen kalorienreichen Kuchen, dessen Rezept du dir selbst ausgedacht hast, ans Bett gebracht. Verschlafen hast du die Augen geöffnet und dann gestrahlt - und als du die Geschenke auspacktest, hast du noch mehr gestrahlt.

Was ich dir noch nicht sagen konnte, aber gerne gesagt hätte: du hast mich neulich mal gefragt, wie man denn einen Mann kennenlernt. Du möchtest gerne später heiraten und einen Mann haben und weißt einfach nicht, wo du den kennen lernen sollst. Ich habe versucht dich zu beruhigen, und gesagt, dass es dafür ganz viele Gelegenheiten gibt, dass du überdies dafür auch noch einige Jahre Zeit hast, aber so ganz geglaubt hast du mir nicht.

Jedenfalls möchte ich dir nur den Rat geben: lass dir Zeit. Verdammt viel Zeit. Und entscheide in Ruhe und ohne Hast. Und entscheide dann für jemanden, der gibt ohne zu fragen, was er zurückbekommt. Für jemanden, der gerne nimmt, ohne dabei im Hinterkopf schon die Frage zu haben, ob er dafür nicht später auch was geben muss. Für jemanden, der deine Kenntnisse und Fähigkeiten schätzt und deine Fehler belächelt. Für jemanden, der so stark ist, dass du ihm immer die Wahrheit sagen kannst. Für jemanden, dem das Lachen wichtiger ist als das Nachdenken. Für jemanden, der dich tröstet wenn du traurig bist - und dich nicht zuerst belehrt. Für jemanden, der das Leben auf der Basis lebt, dass es in jeder Sekunde zu Ende sein kann, ungeplant, unkalkuliert, unabgesichert. Für jemanden, der dich nie zu etwas drängt und für jemanden, der dir stets vertraut, dass du das richtige tust.

Entscheide dich für einen lebendigen Menschen. Dann kann dir nichts passieren.



 
Tschüs Teufel M80/M800!
Guten Tach Sonus Faber Domus Concerto!



 
"Cedars of Lebanon" ist nicht einfach das letzte Lied vom neuen U2-Album, sondern ein Vermächtnis, ein Opus Magnum, das lange Ende einer Entwicklung, eine Zusammenfassung, eine spirituelle Botschaft.

Es beginnt mit sanften, verhallten Rhodes-Klängen und Geräuschfahnen, bis sich ein langsamer schleppender Marschrhythmus einblendet.

"Yesterday I spent asleep" sprechsingt Bono Vox einem ins Ohr, und zwar aus einem halben Millimeter Entfernung. Atmosphäre tiefrot glimmender Verzweiflung. Langsames, traumartiges hineingleiten von gezupften Gitarren. Die Lyrics lassen nichts Gutes verheißen, dunkle Ahnungen, Verluste.

Ein Spiritual-artiger Chorgesang "Return the Call to Home", dazu The Edge's fingergezupfte Gitarrensaiten.

Dann in Strophe zwei der Bass, der nun mindestens 6dB massiver ist, direkt in den Arsch geht, aber mit Gleitmittel. Unglaublich tief, mächtig, sinister.

Dazu, Text:

The worst of us are a long drawn out confession
The best of us are geniuses of compression


Nach dem zweiten "Call to Home" bricht orangenes Licht durch. "Now I've got a head like a lit cigarette". Der unterschwellig brodelnde Wahnsinn, er ist zum Greifen nah. Eine überraschende Unisono-Passage aus Gitarre und Bass, sanft fremd-pentatonisch.

Und der Schluss gibt's einem richtig:

Choose your enemies carefully ‘cos they will define you
Make them interesting ‘cos in some ways they will mind you
They’re not there in the beginning but when your story ends
Gonna last with you longer than your friends


Wen es da nicht vor Gänsehaut reißt, der muss zum Arzt.




Dankbarkeit.



 
The International, O-Ton, unscharf, bruchstückhaft.



 
Choose your enemies carefully
‘cos they will define you.




Ich sag's nicht gerne, aber die neue U2 ist ziemlich gut. Ein bisschen wie "früher", so, als wäre es das eigentliche Nachfolgeralbum von "The unforgettable fire".




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