I long for your inscrutable pale face
I hunger for your beautiful embrace
Und dass Lebensklugheit nämlich DOCH nicht vom Alter abhängt.
Vom Schicksal begünstigt.
...und sagt "hallo" zu meiner Seele....
Als sie in der vor Lust triefenden Filmszene, in der sie ihm vor Geilheit in die Hand beißt und er sie zu Boden wirft, damit sie sich gemeinsam die Klamotten wegfetzen, meinte, das sei ja furchtbar brutal, da verendete etwas in mir.
Durch gut informierte Kreise rechne ich damit, dass Mehdorn in maximal 80 Stunden zurücktritt.
Petshop Boys - Yes.
Ja, es ist ein Geniestreich.
Ein glitzerndes Album, wie eine Nacht, die man zugebracht hat. Eine Winternacht 2009, eine Nacht mit Taxis und Restaurants und Bars, mit wieder Taxis, mit gutem Sex und wieder Taxis, mit Atemlosigkeit und Handy-Schnappschüssen, das alles selbstverständlich gutaussehend, schlank, perfekt gekleidet.
King of Rome ist eines dieser Lieder, das einen durch diese Nacht trägt. All over the world wiederum beinhaltet einen der bratzigst-fetten Beats des Jahrzehnts mit schön laidbacken Handclaps, "oeohe"-Gesängen und völlig übel-geilen, bewusst hart geschnittenen 80-er-Jahren-Vocal-Samples. "This is a song of boys and girls", glitzert und funkelt es zu diesem obszön langsamen Stampfbeat und je mehr man sich reinfallen lässt und tanzt ("The night sky, like velvet..."), je öfter man das alles hört, desto klarer wird, dass die Petshop Boys mit einer Musik vor allem eines abbildet:
Die Leere des Menschen im Jahre 2009, umgeben von UMTS, WLAN, Facebook und dem dichtesten unsozialen Netz, das es je gab.
"Yes" ist ein trauriges Album. Es ist glamouröse Trauer.
Das völlig vertrauensvolle "den anderen machen lassen", das ist möglicherweise die einzige überhaupt mögliche Umgangsform miteinander. Schade, dass man das nur mit so sehr, sehr wenigen machen kann.
Fragment, mal sehen, ob ich dran weiterschreibe:
Er sei ratlos. Wütend. Er verzweifle an der Menschheit und ihrem Treiben. Dass etwas faul sei an den Menschen sei ihm immer klar gewesen. Wie schlimm es jedoch inzwischen wirklich sei, habe er erst am eigenen Leibe erfahren, als er Anfang Januar zum Zwecke der körperlichen Ertüchtigung und Gewichtsreduktion begonnen habe, den täglichen Heimweg von der Redaktion nach Hause, immerhin 6 Kilometer, zu Fuß zurückzulegen.
Schockiert sei er nach wenigen Tagen gewesen. Es sei fast niemand mehr in der Lage, den Gehsteig normal und sinnwahrend zu benutzen, nämlich zum Gehen. Der Gehsteig hieße nicht aus Jux und Dollerei Gehsteig, sondern weil auf ihm gegangen werden solle. Hätte es anders sein sollen, so hätte man den Gehsteig vielmehr Stolpersteig, Stehsteig, Plaudersteig oder Fallsteig, vielleicht sogar Behinderungssteig genannt. Es sei ihm, Zühlsdorf, nämlich aufgefallen, dass beinahe niemand heutzutage noch in der Lage sei, einfach nur von A nach B zu gehen, ohne dabei mit anderen Menschen zu kollidieren, gäbe es nicht Menschen wie ihn, Zühlsdorf, die diese Kollisionsgefahr permanent spürten und mittels Ausweichbewegungen und telepathisch anmutenden Gesten und Handlungen das Übelste verhinderten. Diese, seine Art der Fortbewegung sei „soziales Gehen“ zu nennen. Gäbe es nicht auf 20 unsoziale Geher einen sozialen Geher, hätten sich längst alle Menschen gegenseitig getötet.
Es sei nämlich so, dass der gemeine Mitmensch aufgrund einer zunehmenden allgemeinen Verrohung immer weniger wahrnehme, was hinter, vor, links und rechts von ihm geschehe. Dass das Wahrnehmen der Außenwelt ja auch systematisch verhindert würde durch Mobiltelefone, Musikabspielgeräte, aber auch vehementen Einsatz von Routenplanern und Navigationssystemen.
Ihm, Zühlsdorf, seien bei seinen aufmerksamen Spaziergängen im Minutentakt Menschen vor die Füße gestolpert. Aus Hauseingängen oder Geschäften seien sie getorkelt, ihm direkt in den Weg. Andere, langsamer vor ihm gehende, würden auf erratische Weise nach links oder rechts ausscheren, im selben Moment, in dem er sich anschickte, diee langsamer gehenden links oder rechts zu überholen. Er sei inzwischen in der Lage, durch angetäuschte Links-Schritte die vor ihm gehenden bewusst zu einem ähnlichen, jedoch wesentlich unbeholferen Links-Schritt höherer Trägheitskraft zu animieren, was er eine Sekunde später jedoch mit einem kühnen Rechts-Ausfallschritt und einem unerwarteten Überholvorgang beantworten würde. Wieder andere, vor ihm in etwa gleicher Geschwindigkeit gehende würden immer wieder abrupt stehenbleiben, um reflexartig ein Schaufenster zu betrachten, ihrem Ehepartner einen Flusen vom Revers zu schnippen oder einfach nur auf die Uhr zu sehen. Wieder andere nähmen unberechtigterweise am Gehverkehr teil, ohne vorher eine Richtung festgelegt zu haben, das erinnere ihn übrigens sehr an die ihn äußerst zornig machenden Jugendlichen in der McDonald’s-Kassenschlange, die sich nicht selten an diesen Schlangen anstellten, ohne die geringste Ahnung zu haben, was sie eigentlich bestellen wollten, und diese Überlegungen grundsätzlich erst an der Kasse begönnen, aber er schweife ab.
Zühlsdorf griff ermattet nach seinem Glas und trank es in einem Zug leer.
Er habe nach zwei Wochen gründlichem Spazierengehen festgestellt, dass es eine direkte Korrelation zwischen der Intelligenz eines Menschen und der von ihm genutzten Korridorbreite gäbe. Er müsse womöglich das Wort Korridorbreite erklären. Die Korridorbreite sei die auf die gesamte Wegstrecke projizierte maximale seitliche Auslenkung, die ein Mensch benötige, um von A nach B zu kommen. Ein Mensch mit einer Körperbreite von 50 Zentimetern, der schnurgerade marschiere, habe eine Korridorbreite von mindestens 50 Zentimetern. Ein Mensch mit einer Körperbreite von 50 cm, der hingegen nach links und rechts torkele, könne eine Korridorbreite von mehreren Metern erzeugen. Das Minimum der Korridorbreite sei logischerweise die Körperbreite des Menschen, das Maximum sei üblicherweise durch die Breite des Gehsteigs vorgegeben. Je dümmer und unreflektierte ein Mensch, so sei seine kühne These, desto höher tendenziell die von ihm genutzte Korridorbreite.
Zühlsdorf winkte nach dem Kellner und bestellte ein weiteres Getränk.
Er habe jedoch eine hochinteressante Entdeckung gemacht. Er, Zühlsdorf, sei von jeher ein Anhänger der Theorie gewesen, dass ein Teil der herrschenden sozialen Probleme mit technischen Mitteln zu lösen sei. Als Beispiel sei hier nur zu erwähnen die Möglichkeit der automatisierten Sperrung von Internet-Forenteilnehmern anhand ihrer IP-Adresse oder das Filtern von Weblog-Kommentaren nach häufig benutzten Schimpfworten. Schon nach einigen Wochen Spazierens sei in ihm der Wunsch entstanden, seine permanenten Beinahe-Kollisionen mit anderen Menschen mittels eines Geh-Algorithmus zu verhindern. Er habe festgestellt, dass er – der Grund dafür sei ihm bis heute nicht klar – unsoziale Geher geradezu magnetisch anziehe. Er habe dies auch schon als Radfahrer bemerkt, dass er, auf dem Radweg fahrend, Fußgänger angezogen habe, die ohne ersichtlichen Grund direkt vorihm auf den Radweg stolperten, sobald er sich ihnen näherte. Er müsse daher dieses Anziehen anderer Menschen als lästig, aber gegeben voraussetzen. Er sei, mehr oder weniger zufällig, darauf gestoßen, dass er diese Anziehungsfähigkeit nutzen könne, um die Menschen auf eine Bahn zu lenken, die seiner ähnele, um quasi die Wege mehrerer Menschen zu bündeln und dann mittels eines großen Seitwärtsschritts gleich mehrere von ihnen zu übertölpeln.
Diese Gehbewegung entspreche, man kenne es aus der Physik, einer auf den Gehsteig extrapolierten Sägezahnkurve. Er trete hierzu einfach aus dem Haus, ginge dann in einer sanften, aber spürbaren diagonalen Bewegung – es seien hier 15 bis 20 Meter zu veranschlagen von der rechten bis zur linken Gehsteigkante – langsam diagonal den Gehsteig entlang, um dann, am Rand des Gehsteigs angekommen, zwei bis drei Seitwärtsschritte in die Gegenrichtung zu machen. Dadurch gelange er wieder an den anderen Rand des Gehsteigs, von wo aus er mit der nächsten langsamen Diagonalbewegung beginnen könne. Man nenne dies in der Physik Sägezahnkurve , weil ein Graph dieser Funktion den Zacken eines Laubsägeblatts ähnele.
Er sei sich darüber im Klaren, dass er auf diese Weise einen größeren Weg zurücklegte, als eigentlich notwendig, dies würde jedoch
Ergiebiger Regen. Überall Flüssiges. Sturmverbogener Schirm. Und morgen ins Refugium. Endlich.