In dem Moment, in dem die Windräder hinter Stralsund ins Blickfeld gerieten, wählte die Zufallsfunktion "Kingdom of Agreement" von David Judson Clemmons. Und es war gut.



 
Die Seele deepthroaten.



 
9,2 km zu Fuß. Hochbeschwingt.



 
and I have a head like a lit cigarette




mahler

Mahlers neunte unter Barenboim, heute in der Philharmonie. Heute mal die billigen Plätze (Podium) ausprobiert, und: begeistert: Direkt hinter den Schlagwerken sitzen, Barenboim ins Gesicht sehen beim Dirigieren, wunderbarer Sound, fett, Orchesterperspektive, das hustende, rotzende, schniefende, räuspernde Bürgertum weit weg. Statt dessen drahtige, schwarzhaarige Studentinnen mit ausrasiertem Nacken und liebenswerte Menschen.

Mahlers Neunte ist ein Brocken, letztlich sein Vermächtnis, sein Abgesang auf das Leben. Es ist eigentlich auch keine Symphonie mehr, denn es gibt nicht mal eine umklammernde Tonart. Offiziell steht die Symphonie in D-Dur, das gilt aber nur für den ersten Satz und wird dann mehr und mehr zerstört, aufgelöst, das Schluss-Adagio ist gar einen Halbton tiefer.

Der erste Satz; Andante Comodo, bereitet einen vergleichsweise schlecht auf das Folgende vor. aber umso besser auf den Schluss. Er kombiniert Sonatenform mit Doppelvariation und lässt einen leicht zerrrisen zurück.

Der zweite Satz, Regieanweisung "Im Tempo eines gemächlichen Ländlers. Etwas täppisch und sehr derb" ist letztlich in seiner grellen Überzeichnung österreichischer Ländler fast schon als Satire zu betrachten. Hier lacht Mahler bitter. Totentanz?

Im dritten Satz ("Sehr trotzig"): Furzende, gestopfte Trompeten. Mahler zitiert sich mehrfach selbst. Wechsel zwischen schmelzend-langsamen Streichern und brutalem Schlagwerk.

Doch all dies war letztlich nur Bandbreitenschau, denn der vierte Satz, der zieht einen jeden in seinen Bann. Eine gewaltige, getragene, unisono-Streichermelodie, ein Klagen, eine tiefe Trauer. Man muss instantan einen Rotwein öffnen, den Dirigierstock auspacken und sich schräg in die Luft legen, und mitdirigieren. Hört man zu, dann wird klar, dass die Bratschen natürlich die besseren Streicher sind. Fuck Violinen. Bratschen hingegen, kommt rein. Das Publikum hustet fröhlich, sattzufrieden hinein ins Stück, aber, aber, aber, aber:

Nach etwa 25 Minuten (der letzte Satz dauert 33) hat Barenboim sie im Griff, alle. Er dirigiert nur noch mit minimalinvasiven Bewegungen, sein Hauptstilmittel ist der Schweigezeigefinger vor den Lippen. Jetzt ist alles trauernder Wohlgesang, die Streicher neigen sich vor und zurück, bearbeiten ihre Instrumente mit geschwungenen Bewegungen, während Harfen, Schlagwerk und Blechbläser versonnen schweigen und starren.

Hoch geht es, immer höher.

Leise wird es, immer leiser.

Mahlers letzte fertig gestellte Sinfonie, sie endet sterbend, leiser werdend, irgendwann blicke ich nur noch Barenboim ins Auge. Das ist der Moment, in dem er es geschafft hat. Jetzt ist die komplett ausverkaufte Philharmonie in seiner Hand. Selbst die Huster und Nieser, sie sind so gebannt, dass sie Husten und Niesen vergessen. Jetzt geht es um jeden Ton. Barenboim bringt die gottverfickte Philharmonie zum Komplettschweigen. Und zieht jeden Ton mit seinen Händen aus den Streichern. Irgendwann verlässt die Aufführung das Irdische. Die letzten Harmonien und Melodiefetzen scheinen direkt aus dem Himmel herabzusinken.

Dann ist es eine halbe Minute lang still.

Dann gibt es 20 Minuten Dauerapplaus.

Music is the key.

Auf dem Hinweg fragte sie sich und mich, wie man das nur aushalten könne, so als Orchestermusiker, mit diesen furchtbaren Arbeitszeiten.

Auf dem Rückweg, so hoffte ich, war es ihr möglicherweise klar geworden. Wer so etwas erschaffen kann, fragt nicht nach Arbeitszeiten.

Um 17:29 Uhr wurde mein Ohr virtuell geleckt.



 
In meinem 38. Lebensjahr lernte ich noch einmal so viel über Grundlegendes zwischen Mann und Frau, dass ich eigentlich sofort Ratgeberbücher schreiben sollte. Aber ich will das Wissen lieber mit der kleinen Handvoll Menschen teilen, die mir wichtig sind.




Lebensfroh.



 
Man kann durchaus mal wieder Phillip Boa hören. Aristocracie und Teile von Helios sind auch heute noch sehr, sehr brilliant.




CSA Bar.
Büro für Prinzipielles.
Viktoria Bar.

lampenschirm



 
Eine gänzlich neue Form des Lebens. Ich werfe mich hinein.



 
Offene Scheunentore.




Come on, baby
Drive me out of my mind
If I come home alone with you
And see what you do
This is crazy
And nothing more I want to see
Is that the safest place to sit
And be so spacy




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